Par Anna Péan

 

ParisBerlin: Wie erklärst du, dass deutsche Rapper in Frankreich so wenig Erfolg haben?
Till Neumann: Die einzigen deutschen Bands, die viele Franzosen kennen, sind Tokio Hotel, Rammstein und Nena. Das ist wirklich wenig. Allgemein liegt es wohl an der Sprache, die spielt eine große Rolle. Deutsch klingt härter als Französisch. Für junge Leute ist Deutsch nicht so sexy und für ältere Generationen ist es oft mit dem 2. Weltkrieg konnotiert. In Deutschland haben viele Jugendliche in den 90er Jahren IAM, MC Solaar und NTM gehört. Das war sehr bekannt.

Woher kommt eure Begeisterung auch auf Französisch singen zu wollen, obwohl es nicht eure Muttersprache ist?
Felix und ich haben früher jedes Jahr Ferien an der Ardèche gemacht und uns dort in Frankreich verliebt. 2005 waren wir 8 Monate in Frankreich und haben dort unseren ersten Song auf Französisch geschrieben. Erst haben wir uns nicht so getraut auf Französisch zu singen, aber wir wollten unbedingt zweisprachige Songs schreiben. Es ist immer noch schwierig, auf Französisch zu texten, da es nicht unsere Muttersprache ist. Aber es klappt und macht richtig viel Spaß. Wir wollen, dass Deutsch und Französisch in unserer Musik zu einer Sprache verschmilzt.

In der neuen Platte geht es um Märchen. Woher kommt die Idee?
Auf den ersten Blick sind Märchen ein seltsames Thema für Hip-Hop, das passt aber super. Der Zufall hat uns dazu gebracht: Wir waren vor zwei Jahren zu einem Märchenfestival eingeladen. Für das Konzert haben wir spontan aus dem « Gestiefelten Kater » einen HipHop-Song gemacht. Das kam sehr gut an – und wir haben gemerkt: Märchen sind großes Kino: Es gibt tapfere Helden, hübsche Ladys, böse Hexen, große Dramen. Der perfekte Stoff für coole Geschichten. Rapper erzählen Geschichten. Und Märchen sind Geschichten, die beide Länder verbinden. Ideal für ein Zweierpasch-Album.

Ihr macht nicht nur Musik, sondern leitet auch Workshops in Schulen…
Ja, wir bieten seit fast 10 Jahren HipHop-Workshops an. Mit Rap bekommt man ein gutes und lockeres Gefühl für die Sprache. Die Workshops bringen die Schüler dazu, Fremdsprache in einem neuen Kontext zu erleben und coole Texte zu schreiben. Die Workshops dauern meistens 2 bis 3 Stunden. Dabei bringen wir den Kids die Grundtechniken des Hip-Hop bei und rappen mit ihnen auf zwei Sprachen. Der Workshop endet mit einem Rap-Battle. Wir haben mittlerweile mit über 100 Klassen zusammengearbeitet.

Eure Texte werden auch in Schulbüchern veröffentlicht. Gibt es viele Sprachlehrer, die eure Lieder im Unterricht nutzen?
Ja, mittlerweile sind es einige. Wir bekommen regelmäßig Anfragen von Lehrern, nicht nur aus Baden-Württemberg und dem Elsass, sondern auch aus Bordeaux, Paris oder Rennes. Wir waren auch schon in Afrika, der Ukraine oder beim Bundespräsidenten Joachim Gauck. Im Oktober sind wir auf Tournee in Kasachstan. Auf unserer Homepage gibt es kostenlose Arbeitsmaterialien für den Fremdsprachenunterricht. Meistens wird zum Song Grenzgänger/Frontalier gearbeitet. Aber auch die Märchen sind super für den Unterricht.

Wie gut kennt Ihr euer Publikum?
Das ist sehr bunt gemischt. Es sind oft keine typischen Hip-Hop-Fans bei unseren Konzerten. Wir haben eher ein Publikum, das sich für Europa, Austausch, Sprache und einfach gute Musik interessiert. Wir spielen ja mit einer wirklich großartigen fünfköpfigen Band. Es gibt Eltern, die uns sagen: « Hip-Hop mögen wir nicht, aber das was ihr macht, ist super. » Wenn jemand wegen unserer Texte ein Wörterbuch herausholt, dann ist ein Ziel für uns erreicht. So ging es uns ja früher auch, als wir französischen Rap gehört haben. Wir wollten die Texte verstehen, also haben wir die Sprache gelernt. Wir sind keine Superstars, wenn ein paar Leute wegen unserer Songs ein neues Wort lernen, dann ist das für uns ein Erfolg. Als Künstler sind wir irgendwo auch Träumer, das muss man als Kreativer sein. HipHop war immer schon ein bisschen Revolution. Zweierpasch soll Menschen zusammenbringen, Mauern einreißen. Für uns ist es ein Friedensprojekt.

Par Redaktion ParisBerlin le 25 mai 2016