Von Hannah Volland

 

Alles beginnt mit einer Nacht-und-Nebel-Aktion, bei der SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann festgenommen wird. Er wird nach Jerusalem verschleppt, wo er vor Gericht gestellt werden soll. Hannah Arendt (gespielt von Barbara Sukowa) und ihr Mann Heinrich Blüchner (Axel Milberg) befinden sich zu dieser Zeit in New York. Gesellige Abende mit Freunden, bei denen getrunken, geraucht und passioniert diskutiert wird, gehören zu ihrem Alltag. Die von den Nazis ins Exil gezwungene Arendt scheint endlich Ruhe gefunden zu haben in Amerika, ihrem « Paradise », wie sie selbst einmal sagt.

Margarethe von Trottas preisgekrönter Spielfilm Hannah Arendt, den das Maison Heinrich-Heine anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktags am 27. Januar gezeigt hat, zeigt die Philosophin in einem entscheidenden Moment ihres Lebens; der Konfrontation mit Adolf Eichmann, dessen perfide Tätigkeiten auch sie selbst zur Flucht gezwungen haben.

Von Trotta porträtiert Arendt von ihrer starken Seite, aber auch in ihren verletzlichen Momenten. Es ist ein Film, der nicht nur versucht die Philosophin Arendt, die zu den größten Denkerinnen der Nachkriegszeit zählte, zu verstehen, sondern auch ein Denkmal an eine starke Frau setzen will, die mit Mut und Entschlossenheit für ihre Überzeugung kämpfte.

Kein Mephisto, ein nobody

 

Als die Nachricht der Festnahme Eichmanns New York erreicht, zögert Arendt nicht – sie will das historische Ereignis vor Ort mitverfolgen und reist als Korrespondentin des New Yorkers nach Jerusalem. Entgegen all ihrer Erwartungen trifft sie dort jedoch nicht auf ein Monster, sondern auf einen gewöhnlichen Mann, einen « nobody », wie sie fassungslos feststellt.

In der Folge versucht sie nachzuvollziehen, wie dieser Niemand Protagonist eines der grausamsten Kapitel des 20. Jahrhunderts werden konnte. Daraus entsteht schließlich ihr Bericht, der das Böse letztlich als banal identifiziert. Die Veröffentlichung löst eine Woge der Entrüstung aus. Doch auch hier zeigt sich die starke Hannah Arendt: Die Philosophin hält unbeirrt und mutig an ihrer These fest, selbst Hetzkampagnen der Medien können sie nicht einschüchtern.

 

Mit einer bewusst intimen Darstellung der Protagonisten und ihrer Beziehungen zueinander, liefert Margarethe von Trotta ein authentisches Porträt der deutsch-amerikanischen Philosophin. Die mehrmals eingeblendeten Originalaufnahmen aus dem Eichmann-Prozess ergänzen dabei den Film um eine weitere Dimension, die dem Film Authentizität und Gefühl verleihen.

Die nächsten Veranstaltungen:

03.02.2017: Persepolis, ein Film von Marjane Satrapi, Maison Heinrich-Heine

10.02.2017: La belle saison, ein Film von Catherine Corsini, Maison Heinrich-Heine

17.02.2017: Barbara, ein Film von Christian Petzold, Maison Heinrich-Heine

Par Redaktion ParisBerlin le 6 février 2017