Von Tanja Schreiner

 

 

« Ich öffne in Kürze in der 21 rue de la Boétie neue Galerieräume für moderne Kunst, wo ich Sonderausstellungen der Meister des 19. Jahrhunderts und der Künstler unserer Epoche zeigen werde. Meines Erachtens nach ist die Schwachstelle aktueller Ausstellungen, dass sie jeweils nur das Werk eines einzelnen Künstlers zeigen », schrieb Paul Rosenberg um 1914.

Das 19. Jahrhundert brachte das Metier des Kunsthändlers hervor: gleichzeitig Unternehmer, Talentfinder und Vermittler zwischen Künstler und der wohlbetuchten Käuferschaft. Paul Rosenberg, der aus einer aus Slowenien eingewanderten jüdischen Familie stammte, wurde in kürzester Zeit zu einem der Protagonisten dieser Entwicklung. Er war « mehr als ein Kunstsammler, er war ein echter Visionär, der fest an das Genie seiner zeitgenössichen Künstler glaubte », erklärt Olivier Lorquin, Generaldirektor des Pariser Musée Maillol, das Rosenberg momentan eine Sonderausstellung widmet.

Förderer moderner Kunst

Anhand von rund sechzig Meisterwerken zeigt « 21 rue de la Boétie » das Aufkommen
der modernen Kunst im 20. Jahrhundert sowie die durch die Kunstpolitik der Nazis vorangetriebene Verschiebung des Weltkunstzentrums von Paris nach New York. Die
liebevoll zusammengestellte Ausstellung in dem kleinen Privatmuseum im 7. Arrondissement von Paris basiert auf der von Rosenbergs Enkelin, der Journalistin Anne Sinclair, verfassten Biographie ihres Großvaters (21 rue la Boétie, Anne Sinclair, Grasset Verlag, 2012). Archivgegenstände aus dem Privatsitz der Familie geben einen intensiven Einblick in Leben und Werk des Kunstsammlers.

Pitcher and Bowl of Fruit, Pablo Picasso, 1931
© Photo : Collection David Nahmad, Monaco

In heimischer Atmosphäre, zwischen Stilmöbeln an den Wänden angebracht, präsentierte Rosenberg seiner vermögenden Kundschaft Werke seiner auserlesenen Künstler: im Januar 1936 Braque, Seurat im Februar, im März Picasso, Monet im April und Matisse im Mai, eine Sammelausstellung im Sommer und eine zweite Ende des Jahres. Eine Strategie, die Rosenbergs Geschäfte aufblühen ließ.

Ziel des Kunstraubs

Seit dem Beginn der Besatzung im Mai 1940 führen die Nazis in Frankreich eine breite Beschlagnahmungsoperation von jüdischen Vermögensgegenständen, und insbesondere Kunstwerken, durch. Von der Operation waren in erster Linie bekannte Kunstsammler und -händler, darunter auch Paul Rosenberg, betroffen. Bis zum Ende der Besatzung wurden laut einem Bericht der Nazis in Frankreich rund 22 000 Kunst- werke aus mehr als 200 Privatsammlungen geraubt.

Still Life with Antique Bust, Pablo Picasso, 1925
© Photo : Centre Pompidou, MNAM-CCI, Dist. RMN- Grand Palais – © Jacques Quecq d’Henripret

Paul Rosenberg  floh 1940 mit seiner Familie nach Amerika, wo er dank einiger vor dem Krieg in Sicherheit gebrachter Kunstwerke sofort seine Tätigkeit als Galerist fortsetzte und eine Galerie in Manhattan eröffnete. Nach Ende des Krieges begann für den Kunstsammler ein langer Kampf, um seine gestohlenen Werke zurück zu erlangen. Noch heute sind viele davon verschollen, erst 2012 wurde ein Kunstwerk aus Rosenbergs Besitz, Femme assise von Henri Matisse, beim Schwabinger Kunstfund entdeckt.

« 21 rue de la Boétie : Picasso, Matisse, Braque, Léger… », bis zum 23. Juli 2017 im Musée Maillol, 59-61 Rue de Grenelle, 75007 Paris, www.museemaillol.com. 

Par Redaktion ParisBerlin le 27 juin 2017