Von nina kugler

 

1981 gründete Günther Marissal seine Buchhandlung Marissal Bücher gegenüber dem Centre Pompidou in Paris. Marissal besitzt zu dieser Zeit schon einige Buchläden in Norddeutschland, möchte aber mit der Eröffnung einer deutschen Buchhandlung in Paris seine Leidenschaft für Frankreich zum Ausdruck bringen. Sein Laden befand sich mit den deutschen Buchhandlungen « Erlkönig » bei Montparnasse und der « Calligramme » an der Université de la Sorbonne in bester Gesellschaft. Weitere wie die « Librairie – Buchladen » in Montmartre sollten in den nächsten Jahren folgen.

Marissal verfolgt mit seinem Buchladen ein ganz eigenes Konzept: Im Gegensatz zur Konkurrenz will er keine Fachbuchhandlung, sondern eine normale deutsche Buchhandlung führen. Dazu gehört ein breit aufgestelltes Sortiment mit Kinderliteratur, Romanen und Krimis, DVDs und Hörbüchern. Dass Frankreich trotzdem im Mittelpunkt steht, ist natürlich nicht zufällig. Französische Kochbücher, Reiseführer und Wörterbücher sind nicht nur praktisch, sie dienen in den Augen Marissals auch der Völkerverständigung. Auch deshalb entwickelte sich die deutsche Buchhandlung im Laufe der Jahre zu einem Ort der Begegnung der beiden Kulturen. An dem Schwarzen Brett in der Ecke des Buchladens kann man Gesuche und Angebote zur Sprachpartnerschaft oder zum Nachhilfeunterricht anbringen. In Kooperation mit der Maison Heinrich Heine organisiert man regelmäßig literarische Veranstaltungen und Autorenlesungen. Das Konzept funktionierte lange, doch nun scheint es nicht mehr zeitgemäß: Ende Januar 2015 wird die Buchhandlung Marissal ihre Pforten schließen. Petra Kringel, die Geschäftsführerin, erklärt ohne Umschweife, dass ein Verbleib in den jetzigen Räumen am Centre Pompidou zu kostspielig sei. Zu hoch sei die Ladenmiete an einem der prominentesten Plätze in Paris. « Nur die großen Laden-Ketten wie H&M oder Starbucks können sich ein Geschäft in dieser Lage noch leisten. »

Und tatsächlich: Lässt man seinen Blick über den Place Georges Pompidou schweifen, entdeckt man Restaurants großer Schnellimbissketten oder Ladengeschäfte international bekannter Bekleidungsfirmen. Individuelle kleine Cafés oder Boutiquen, wie sie für Paris so typisch scheinen, finden sich kaum noch. Ein neues Ladengeschäft an einem anderen Ort wäre eine letzte Möglichkeit, um die deutsche Buchhandlung am Leben zu erhalten. « Aber wer investiert schon noch in Buchhandlungen ? », meint Petra Kringel. Gegen Internetfirmen wie Amazon kämen kleine Buchläden kaum an. Seit Jahren schwindet so auch der Umsatz von Marissal Bücher immer mehr. « Der deutsche Botschafter hat uns mehrfach Hilfe angeboten, aber zu einem Treffen oder tatsächlicher Unterstützung ist es nie gekommen », erzählt Petra Kringel. Die mittlerweile einzige deutsche Buchhandlung in der französischen Hauptstadt scheint nicht mehr zu retten. Mit ihr endet  auch ein Kapitel der deutsch-französischen Freundschaft.

Par Redaktion ParisBerlin le 22 décembre 2014