Von Séverine Mermilliod

 

 

Marguerite, eine reiche und einsame Frau, die nur eine Leidenschaft hat – singen – und sicher ist, eine echte Operndiva zu sein, beschließt, auf der Bühne aufzutreten. Es gibt nur ein Problem, und nicht das kleinste: sie singt furchtbar schlecht. Deshalb klingt ihr Projekt in den Ohren ihres Ehemannes umso schlimmer, denn er hatte nie den Mut, ihr die Wahrheit zu sagen.
Madame Marguerite, oder die Kunst der schiefen Töne, der neue Film von Xavier Giannoli (Chanson d’amour, In the Beginning), teilt sich wie eine Oper in fünf Akte. Dabei wechseln sich komische Momente mit berührenden Sequenzen ab. Die Sängerin, die schrecklich schlecht singt, wird hervorragend verkörpert durch Catherine Frot, die regelmäßig ungewöhnlichen Frauenrollen spielt (Die Köchin und der Präsident, Odette Toulemonde, Dinner für Spinner).

 

Der Zuschauer lernt Marguerite während einem privaten Benefiz-Konzert kennen, das sie für Kriegswaisen organisiert. Sie singt für ihre Verehrer (so denkt sie zumindest selbst). Doch die Zuschauer ertragen das vorgeführte Massaker der Arie der Königin der Nacht von Mozart nur, weil Marguerite so großzügig ist. Durch diese stumme Zustimmung in ihrer Meinung und Stimmqualität bestätigt, beschließt Marguerite, einen Gesangslehrer zu engagieren, um ihr erstes richtiges Konzert vorzubereiten.

Aus vollem Herzen falsch

Man lacht manchmal, ohne sie jedoch auszulachen – wie ihre Umgebung oder die Presse es tun. Der Film zeigt einen so berührenden und naiven Charakter, dass es schwer ist, ihn lächerlich zu finden: sie singt schiefe Töne, ja, aber aus vollem Herzen.

Auch wenn der Film eine Fiktion ist, die die Themen Heuchelei, Lügen durch Unterlassen und Leidenschaft behandelt, ähnelt die Geschichte dem wahren Leben von Florence Foster Jenkins. 1868 geboren, erhielt diese als Kind Klavierunterricht, und verdiente später ihren Lebensunterhalt als Klavierlehrerin und -spielerin. Im Gegenteil zu Marguerite hatte sie also sicher ein Talent für Musik, aber war gleichzeitig unfähig, einen richtigen Ton zu singen – trotz Gesangunterricht.
Nach dem Tod ihres Vaters erhielt sie ein großes Erbe und konnte so ihre Karriere als Opernsängerin beginnen, von der sie immer geträumt hatte. Sie gab Liederabende für ihr Umfeld und den Verdi-Club, den sie gegründet hat, während ein Teil davon sich hinter ihrem Rücken über sie lustig machte. Die Medien ermutigten grausam durch eine zweideutige Wortwahl eine ungesunde Neugier, um Zuschauer anzuziehen.

 

Wegen der wachsenden öffentlichen Nachfrage gab sie schließlich mit 76 Jahren ein großes Konzert in der Carnegie Hall in New York. Der Saal war überfüllt, zahllose Zuschauer sind gekommen, um sie zu verspotten.
Kurz nach der desaströsen Kritik, Ironie des Schicksals, bekam sie einen Herzinfarkt und starb einen Monat später. Foster Jenkins behielt letztendlich recht mit ihrer Aussage « Die Leute können vielleicht behaupten, dass ich nicht singen kann, aber niemand kann behaupten, dass ich nicht gesungen hätte ». Wie der Film zeigte, scheint falsch singen gar nicht so einfach zu sein: Für den Gesang brauchte Catherine Frot eine Opernsängerin für die Synchronisierung.



Tragikomödie von Xavier Giannoli, mit Catherine Frot, André Marcon, Michel Fau, Christa Théret, Denis Mpunga (129 Minuten)


Weltpremiere im Wettbewerb des 72. Venedig International Film Festival
Ab dem 29. Oktober 2015 in den deutschen Kinos

ParisBerlin verlost 3×2 Freikarten für Madame Marguerite! (einzulösen in einem beliebigen deutschen Kino)
Beantworten Sie einfach folgende Frage: Wer spielt in dem Film die Rolle der Marguerite?
Schicken Sie Ihre Antwort bis zum 31. Oktober mit Ihrem Namen, Vornamen und Ihrer Adresse an berlin1@parisberlinmag.com

Par Redaktion ParisBerlin le 27 octobre 2015