Von Cora Werwitzke

 

Großer Bahnhof Mitte dieses Monats auf dem Bahnhof von Bremervörde. Der französische Hersteller Alstom hat zusammen mit deutschen Partnern zur Weltpremiere geladen: Als Auftakt eines Pilotprojekts absolviert an diesem Tag der erste Wasserstoff-Zug des Typs Coradia iLint seine Jungfernfahrt. Das Besondere: Das Modell hat Brennstoffzellen an Bord, die Wasserstoff und Sauerstoff in Strom umwandeln und so den Schadstoffausstoß im täglichen Betrieb auf Null reduzieren.

 

Bereits seit Juli hatten die Initiatoren des Projekts zu Testzwecken zwar eine Zulassung für den Personenverkehr auf öffentlichen Strecken, aber die offizielle Premiere erfolgte am 16. September. Nur einen Tag später sind zwei Exemplare des Coradia iLint in den regelmäßigen Fahrgastbetrieb gestartet. Sie kommen im Auftrag der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen auf einer etwa 100 Kilometer langen Strecke zwischen Cuxhaven, Bremerhaven, Bremervörde und Buxtehude zum Einsatz. Das H2-Duo ersetzt Diesel-Exemplare, die bis dato für die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser GmbH (EVB) auf dieser Strecke unterwegs waren.

 

„Der Coradia iLint läutet eine neue Ära im emissionsfreien Bahnverkehr ein. Als Innovation, die aus deutsch-französischem Teamwork resultiert, steht er für erfolgreiche grenzüberschreitende Zusammenarbeit“, äußerte Alstom-Präsident Henri Poupart-Lafarge bei der Einweihung. Produziert werden die Züge in Salzgitter. Außerdem hat die Bundesrepublik die Entwicklung und Erprobung der neuen Antriebstechnologie in Niedersachsen mit Fördergeldern aus dem Nationalen Innovationsprogramm für Wasserstoff und Brennstoffzellen-Technologie unterstützt.

 

Die zwei nun in den Betrieb integrierten Züge sind unterdessen nur die Avantgarde: 2021 sollen 14 weitere Exemplare an die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen übergeben werden. Die Entwicklung ist unter anderem von dem Gedanken getrieben, dass insbesondere Nebenstrecken, auf denen Oberleitungen unwirtschaftlich sind, von der neuen Technologie profitieren könnten.

 

Für Technikinteressierte: Die Wagons der innovativen Züge führen Wasserstofftank und Brennstoffzelle auf dem Dach mit. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Alstom mit 140 km/h an. Mit einer Tankfüllung sollen die H2-Züge rund 1.000 Kilometer weit fahren können. Betankt werden sie aktuell mittels einer mobilen Wasserstofftankstelle: Am Bahnhof Bremervörde wird der gasförmige Wasserstoff aus einem zwölf Meter hohen Stahlcontainer neben den Gleisen in die Züge gepumpt. Bis 2021 soll darüber hinaus eine stationäre Tankstelle auf dem Gelände der EVB entstehen.

 

Par Redaktion ParisBerlin le 27 septembre 2018