Von Lilian Pithan

 

 

Gilou (Bouli Lanners) und Cochise (Albert Dupontel), zwei alternde Schlägertypen mit mehr Grau als Schwarz an den Schläfen, brettern mit ihrem Geländewagen durch die Landschaft, auf der Suche nach einem gestohlenen Handy. Der Waldweg teilt sich zwischen den Bäumen, doch wie es weitergehen soll, wissen sie nicht so recht: « Ich lauf’ sicher nicht zu Fuß durch den blöden Wald », grummelt Gilou. « So viele Kilometer, um den Typ zu finden, der dieses dumme Handy geklaut hat. » Währenddessen fliehen Esther (Aurore Broutin) und Willy (David Murgia) durch das winterliche Unterholz, mit eben diesem Handy in der Tasche. Der Himmel ist wolkenverhangen, die Landschaft wie ausgestorben und das Ende der Welt, so glaubt zumindest Willy, steht unmittelbar bevor.

Das bedrückende Katz-und-Maus-Spiel in der belgisch-französischen Co-Produktion Les premiers, les derniers (2016) gerät schnell aus den Bahnen. In einem Dorf, irgendwo im Hinterland zwischen Nordfrankreich und Wallonien, wartet eine Gruppe Bösewichte nur darauf, ihre Langeweile und ihren Fremdenhass an Esther und Willy auszulassen. Auch Gilou und Cochise kommen nicht ungeschoren davon, schließlich schnüffeln die beiden im Hoheitsgebiet anderer Schlägertypen herum. Auf die Frage der Einheimischen Clara (Suzanne Clément), was eigentlich sein Job sei, kann Cochise nur erwidern: « Das ist ein bisschen schwierig zu erklären. » Und als hätten sie nicht schon genug Ärger, bricht bei Gilou auch noch die große Lebenskrise aus.

Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens

Wie Bouli Lanners, der nicht nur in die Rolle des Gilou schlüpft, sondern auch Regie führt, die Geschichten der verschiedenen Figuren miteinander verknüpft, ist meisterhaft. Vor dem Hintergrund endloser Landstraßen, unheimlicher Wälder und grauer Ortschaften wirft er Gilou, Cochise und Willy auf die grundlegenden Fragen der menschlichen Existenz zurück. Was ist gut, was böse? Ist das, was wir tun, das Richtige? Hat das alles überhaupt einen Sinn? Es überrascht kaum, dass auch Jesus (Philippe Rebbot) durch die graue Landschaft zieht. Immer wieder taucht er wie aus dem Nichts auf, um Willy und Esther vor den in Wäldern und Lagerhäusern drohenden Gefahren zu retten.

Mit Michael Lonsdale und Max von Sydow haben auch zwei Koryphäen des europäischen Kinos einen Auftritt im Film. Als alternder Orchideenzüchter und Priester bringen sie zusammen mit Gilou in einer apokalyptisch angehauchten Szene eine mumifizierte Leiche unter die Erde. Les premiers, les derniers wirkt an vielen Stellen wie ein Western, der nur zufällig in der Gegenwart einer scheinbar verlassenen Ecke Europas spielt. Nicht zuletzt wegen der großartigen, dunkel leuchtenden Bilder von Kameramann Jean-Paul de Zaeytijd und der eindringlichen Musik Pascal Humberts gehört Les premiers, les derniers zweifellos zu den interessantesten französischsprachigen Filmen der 66. Berlinale.

Spielzeiten von « Les premiers, les derniers » bei der 66. Berlinale

14.02. 20h       Kino International
15.02. 17h45   CineStar 3
16.02. 22h45   Cubix 7
16.02. 22h45   Cubix 8
19.02. 17h       Kino International
20.02. 22h30   CinemaxX 7

Copyright Fotos: Kris Dewitte

Par Redaktion ParisBerlin le 12 février 2016