Von Sylvia Schreiber

 

Neben der Europaflagge prangt gleich die weiß-blaue Bayernfahne. So lebensfreudig wirbt die Münchener Gruppe von „En Marche Bavière“ auf ihrem Twitter-Account für Frédéric Petit. „Hauptstadt der Auslandsfranzosen in Deutschland“ nennt sich München mit seinen 9 000 dort lebenden Franzosen. Sie fühlen sich von dem Abgeordneten, der sie in der Assemblée nationale vertritt, besonders angesprochen, genauso wie „En Marche Berlin“ und andere Gruppierungen, die die LREM, die Partei Emmanuel Macrons, in Deutschland unterstützen. Mit ihren Stimmen hat der Ingenieur Frédéric Petit das Mandat im französischen Parlament zur Vertretung der Auslandsfranzosen in Mitteleuropa errungen.

 

Zu seinem Wahlkreis, dem 7. Circonscription, gehören gleich 16 Länder, neben Deutschland, Österreich und Polen auch Ungarn, Tschechien oder Rumänien, dort, wo insgesamt etwa 105 000 wahlberechtigte Franzosen leben. Jetzt ist Frédéric Petit ihr Mann in Paris.

 

Ein vierköpfiges Team unterstützt ihn im Parlament. Die Website und eine Social-Media-Kampagne stehen, die Ernennung zum Referenten für ein Finanzgesetz ebenso. Gemeinsam mit anderen Abgeordneten für die Franzosen im Ausland trifft der Parlaments-Novize im Frühherbst den neuen Staatssekretär im Pariser Außenministerium, nachdem er schon vor der Sommerpause zu Gesprächen mit dem deutschen Bundestagspräsidenten in Berlin zusammenkam. Beim Ökonomen-Forum in Polen ist Frédéric Petit genauso zu Gast wie bei den Wissenschaftlern für Lebens- und Geowissenschaften in Potsdam, bei der Frankfurter Buchmesse, bei der OSZE, aber auch beim Dialog zur deutsch-französischen Zukunft.

 

Das sind dann auch die Themen, für die sich der Unterstützer Macrons, der für die liberale MODEM-Partei antrat, stark machen will: Bürgergesellschaft, Friedenssicherung, Energie und Erziehung. Daneben die Klassiker eines Vertreters der Auslandsbürger: Grenzüberschreitende Rentensachen, Scheidungs- und Verwaltungsangelegenheiten. Möglichst viele Netzwerke und Bürgergruppen will er sprechen.

 

Lange Jahre war der gebürtige Marseiller, Jahrgang 1961, für die Firmen Veolia und Consolisim im Außendienst, in Litauen, Polen, Ägypten und der Ukraine. Sieben Sprachen spricht der studierte Mathematiker, der, in Lothringen aufgewachsen, über das Deutsch-Französische Jugendwerk erste Erfahrungen in der Politik sammelte, später als Berater des polnischen Parlaments und als Präsident des Beschäftigten-Syndicats in der Entsorgungswirtschaft tätig war. Petit wirkte lange auch als Außenhandelsberater des französischen Außenministeriums und Mediator in Frankreich wie auch für das Büro der Europäischen Kommission in Warschau.

 

Aus dieser Zeit hat er seinen Wohnort in Polen behalten, wo er mit seiner Frau lebt, wenn er nicht zwischen Paris, Berlin, Warschau und den anderen 13 Ländern seines Abgeordnetenbezirkes pendelt. Krisen sei er gewöhnt, meint der Mittfünfziger, schließlich habe er in der Zeit der Arabellion in Nordafrika drei Revolutionen mitgemacht.

Par Redaktion ParisBerlin le 1 novembre 2017