Von Nina Kugler

 

 

Die Cité Internationale Universitaire de Paris (CIUP), gegründet 1925 nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs, liegt am südlichen Stadtrand von Paris und ist eine internationale Studentensiedlung. In 35 verschiedenen Häusern, die Ländern zugeordnet sind, beherbergt die CIUP jährlich etwa  5 500 Studierende und Wissenschaftler aus der ganzen Welt. Eines dieser Häuser ist die Maison-Heinrich-Heine, das deutsche Haus. Eröffnet wurde es 1956 und ehrt mit seinen Namen den deutschen Dichter Heinrich Heine, der selbst zeitlebens lange in Paris lebte. Seit 2002 wird das Haus von Christiane Deussen geleitet. Sie erklärt: « Die Maison-Heinrich-Heine ist nicht ausschließlich ein Studentenwohnheim. Das ist zwar unsere vordringliche Aufgabe, gleichzeitig verstehen wir uns aber auch als ein Kulturinstitut ».

Norbert Lammet und Alfred Grosser zu Gast

Und tatsächlich finden im hauseigenen Veranstaltungssaal prominent besetzte Podiumsdiskussionen, Konzerte, Ausstellungen oder Kolloquien statt. So war Anfang Februar zuerst der Präsident des Deutschen Bundestags, Norbert Lammert, zu einem Vortrag mit anschließender Fragerunde eingeladen. Versiert analysierte er die aktuellen deutsch-französischen Beziehungen, die er als « Ehe, in der es zwar manchmal kracht » beschrieb, « aber an eine Scheidung denkt nie einer von beiden ». Lammert schreckte in seinem etwa 45-minütigen Vortrag nicht davor zurück, Jürgen Habermas zu kritisieren, der Ende Oktober einen Vortrag in der Maison-Heinrich-Heine hielt und der dabei ein eher düsteres Bild der aktuellen deutsch-französischen Lage zeichnete. Lammert widersprach dem deutschen Philosophen und zeichnete seinerseits ein optimistisches Bild über die binationalen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich. Er lobte ausdrücklich die außenpolitischen Bemühungen Merkels und Hollandes im Ukraine-Konflikt und wies somit auf die Sonderbeziehung hin, die zwischen den beiden Ländern auch im europäischen Kontext herrschten.

Nur einen Tag später fand in Kooperation mit der Sciences Po Paris ein weiterer kultureller Höhepunkt der Maison-Heinrich-Heine statt: dem deutsch-französischen Politikwissenschaftler Alfred Grosser zu Ehren wurde ein eintägiges Kolloquium abgehalten zu dem Themen « L’Europe dans le monde » und « Les médias et l’Europe ». Alfred Grosser persönlich nahm, neben weiteren Spitzengästen wie der deutschen Botschafterin Susanne Wasum-Rainer, der Europaabgeordneten Sylvie Goulard oder dem stellvertretenden Direktor des Deutsch-Französischen Instituts Ludwigsburg, Stefan Seidendorf,  selbst an dem Kolloquium teil. Im Mittelpunk der Diskussionen standen auch hierbei die deutsch-französischen Beziehungen und ihre Auswirkungen auf die europäische Politik.

Nicht nur Kulturinstitut, auch Studentenwohnheim

Über all die Kultur und Politik hinaus, darf nicht vergessen werden, dass die Maison-Heinrich-Heine auch ein Studentenwohnheim ist. Und das nicht nur für Deutsche, sondern auch für internationale Studierende in Paris. Etwa 50 Prozent der Bewohner des Hauses sind nicht deutscher Nationalität. « Durch das Zusammenleben von Deutschen und internationalen Studierenden soll der Kulturaustausch erleichtert und gefördert werden », erklärt Deussen. Deshalb stehen den rund 100 Bewohnern der « MH » » mehrere Gemeinschaftsküchen und verschiedene Aufenthaltsräume zur Verfügung. Und so kommt es, dass sich Sonntag abends um 20:15 Uhr kleine Grüppchen von Bewohnern verschiedenster Nationalitäten in den Fernsehräumen zusammenfinden, um der deutschesten aller möglichen Sonntag-Abend-Beschäftigungen nachzugehen: Tatort gucken!  Längst kennen und schätzen die internationalen Bewohner des « MHH » dieses Ritual und rätseln fleißig mit, wer der Mörder an diesem Abend ist.
Die Maison-Heinrich-Heine ist also im doppelten Sinne ein Ort der kulturellen Begegnung: für ihre internationalen Bewohner, die untereinander einen Kulturaustausch (er)leben, aber auch für Besucher, die Veranstaltungen in den Räumlichkeiten des Hauses genießen.

Par Redaktion ParisBerlin le 17 février 2015