Von Nicole Büsing & Heiko Klaas

 

 

Am Sonntagabend ging in Brüssel die zweite Independent zu Ende. Letztes Jahr feierte die von der New Yorker Galeristin Elisabeth Dee gegründete Parallelmesse zur Art Brussels Premiere. Die attraktive Location befindet sich mitten in der Brüsseler Innenstadt direkt hinter der Galerie St. Hubert im Vanderborght Building, einem ehemaligen Kaufhaus aus den 1930er Jahren. Mehr als 70 Galerien, Editeure und nichtkommerzielle Kunsträume aus 32 Städten rund um den Globus nahmen in diesem Jahr an der Independent teil, darunter auch so prominente Namen wie David Zwirner, Maureen Paley oder Barbara Gladstone. Zum ersten Mal dabei waren auch die beiden Berliner Galerien Sprüth Magers und Capitain Petzel. Im letzten Jahr in Europa noch nahezu unbekannt, hat die 2010 in New York gegründete Independent sich in der belgischen Hauptstadt mittlerweile einen Namen gemacht. Entscheidend dazu beigetragen hat sicherlich der permanent betriebene  Ausstellungsraum Independent Régence mit einem wechselnden Programm. Doch zurück auf die Messe selbst: Auf den sechs Etagen des ehemaligen Kaufhauses präsentierten sich die Aussteller auf mehr als 4.000 Quadratmetern in einem lockeren, offenen Setting.

 

Für viele Besucher der Höhepunkt der Messe war der Stand des New Yorkers David Zwirner. Zwirner hatte seinem kanadischen Künstler Marcel Dzama, Jahrgang 1974, Carte Blanche gegeben, eigene Werke mit denen anderer von ihm bewunderter Künstler zu kombinieren. Unter dem Titel « The Mask Makers » versammelte Dzama auf einer selbst entworfenen Tapete Werke von so unterschiedlichen Künstlern wie James Ensor, Wolfgang Tillmans, Peter Doig, Raymond Pettibon, Jordon Wolfson und vielen anderen. Eine lebensgroße Schaufensterpuppe von Isa Genzken mischte sich verwegen unter die Besucher.

 

Die Independent kommt frech, unkonventionell und streckenweise geradezu hippiesk daher. Ein kurzweiliger Tummelplatz nicht nur für Sammler sondern auch für Kuratoren  – und das bei freiem Eintritt. Hier fand sich Kunst, die regelmäßig auf Biennalen und in Kunstvereinen zu sehen ist, etwa von Lili Reynaud-Dewar, Douglas Gordon oder David Malkovic. Aber auch Klassiker durften nicht fehlen. Die Galerie 1900-2000 aus Paris zeigte im zweiten Stock überwiegend kleinformatige Arbeiten von den Großen der Kunstgeschichte: Hans Bellmer, Marcel Duchamp, Man Ray, Francis Picabia oder Ed Ruscha wurden bei den Franzosen, die auch regelmäßig auf der Art Basel vertreten sind, in Petersburger Hängung präsentiert. Fazit: Die 1968 gegründete Art Brussels ist und bleibt der belgische Platzhirsch, doch auch die Independent lohnt auf jeden Fall einen Abstecher.

 

Independent, 19.-23.4.2017, www.independenthq.com

Par Redaktion ParisBerlin le 26 avril 2017