Von Hannah Volland

 

 

Das Jahr 1870/71 war für Frankreich eine « Année terrible », wie Victor Hugo in seinem berühmten gleichnamigen Gedichtband  nur ein Jahr nach Kriegsende schreibt. Frankreich steht zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Bandes an einem kritischen Punkt seiner Geschichte: Nicht nur die Niederlage gegen die deutschen Staaten muss erst einmal verwunden werden, der nächste Krieg steht auch schon unmittelbar bevor. Nun allerdings nicht mehr an den Grenzen nach außen, sondern mitten im eigenen Land: Es ist der Beginn der Pariser Kommune, einer patriotischen Revolte, die trotz Ausrufung der dritten Republik in einem Bürgerkrieg mündet und schließlich gewaltsam von der Regierung niedergeschlagen wird.

Auch für Deutschland markiert das Ende des deutsch-französischen Krieges 1870/71 eine bedeutende Zeitenwende. Denn mit ihm geht der Abschluss der Einigungskriege einher, die Bismarck schon ab 1864 erst gegen Dänemark, später gegen Österreich und schließlich, in Folge einer bewusst inszenierten Provokation, gegen Frankreich führt. Der Sieg gegen Frankreich endet mit der Proklamation des deutschen Kaiserreiches im Schloss von Versailles und wird noch lange Zeit später von deutschen Historikern als legitime Notwendigkeit für die deutsche Einigkeit heroisiert.

 

Edouard Détaille, Infanteristen in einem Hohlweg, Fragment des Panoramas der Schlacht von Champigny, 1882-83
© Musée de l’Armée, Dist. RMN-GP / Emilie Cambier

Die Ausstellung bettet die historische Verflechtung Deutschlands und Frankreichs über das 19. Jahrhundert hinweg in unterschiedlich große zeitliche Zusammenhänge ein, die letztlich die Ursachen und Konsequenzen des deutsch-französischen Krieges 1870/71 aufzeigen. Zum einen wird deshalb der Zeitraum ab Beginn der deutschen Einigungskriege im Jahr 1864 über das Kriegsende von 1871 hinweg bis hin zu der sogenannten Krieg-in-Sicht-Krise von 1875 dargestellt, die eine weitere diplomatische Krise zwischen Deutschland und Frankreich bildet, und die Voraussetzung für die spätere Triple Entente liefert. Zum anderen wird in der Exposition der gesamte Verlauf des 19. Jahrhunderts ausgebreitet; beginnend mit den deutschen Befreiungskriegen im Jahr 1813 bis zu den Versailler Verträgen nach Ende des Ersten Weltkrieges 1919.

 

Aus heutiger Perspektive scheint dieser Krieg vollkommen in Vergessenheit geraten zu sein, überschattet von den zwei Weltkriegen, die ihm kurze Zeit später folgten. Und doch kommt man nicht umhin, die Zeugnisse aus dieser Zeit zu übersehen. Denn welcher Berlinbesucher erhascht nicht einen Blick auf die goldene Else hoch oben auf der Siegessäule? Und wer kennt sie nicht, die Sicht auf die imposanten Türme des Pariser Viertels La Défense? Der deutsch-französische Krieg fand seinen Niederschlag in zahlreichen Ausdrucksformen auf beiden Seiten des Rheins, sei es Fotografie, Malerei, Literatur oder auch Architektur, die nun in dieser vielfältigen Weise im Musée de l’Armée besichtigt werden können.

 

Die Ausstellung « France Allemagne(s) 1870/71 » kann noch bis zum 30. Juli 2017 im Musée de l’Armée (Hôtel des Invalides, 129 rue de Grenelle, 75007 Paris) besucht werden.

Par Redaktion ParisBerlin le 5 juillet 2017