Von Tanja Schreiner

 

 

Wie sieht Ihr typischer Tag als Freiwillige aus?
Wir haben flexible Arbeitszeiten, das heißt ich kann morgens zwischen 8 und 10 Uhr anfangen. Meistens komme ich gegen 9 Uhr und beginne mit der Presseschau. Ich sehe mir an, welche Zeitungen über uns berichtet haben oder welche Artikel in der deutschen und der französischen Presse für uns interessant sein könnten. Oft stelle ich auch die « Actus », aktuelle Veranstaltungen des DFJWs, auf die Website. Dann gibt es noch den DFJW-Begegnungsfinder, über den man einen Austausch oder eine Aus- und Fortbildung finden kann, und auf dem ich dafür zuständig bin neue Benutzeranfragen freizuschalten. Oder es gibt auch die « Chiffre de la semaine », eine Zahl der Woche über das DFJW, die ich meistens vorbereite. In meiner Freizeit gehe ich Babysitten und unternehme etwas mit zwei anderen Freiwilligen, mit denen ich in einer Wohngemeinschaft wohne. Am Wochenende gehen wir gerne in Museen oder Abends aus. In letzter Zeit bin ich außerdem ein bisschen innerhalb Frankreichs gereist.

Wieso haben Sie sich für einen Deutsch-Französischen Freiwilligendienst entschieden?
Ich wollte unbedingt an der Deutsch-Französischen Hochschule studieren, aber hatte das Gefühl, dass mein Französisch noch nicht gut genug dafür ist. So kam ich auf die Idee ein Jahr nach Frankreich zu gehen und habe diese Stelle gefunden, die genau meinen Vorstellungen entsprach. Ich muss zugeben, dass ich vor meinem Freiwilligendienst nicht sehr viel über deutsch-französische Beziehungen wusste. In diesem Jahr als Freiwillige habe ich mitbekommen, wie wichtig es für Europa ist, sich für die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich einzusetzen.

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um an einem Freiwilligendienst teilnehmen zu können?
Man muss zwischen 18 und 25 Jahre alt sein, seinen Hauptwohnsitz in Deutschland beziehungsweise Frankreich haben und bei manchen Einsatzstelle auch ein bestimmtes Niveau an Sprachkenntnissen mitbringen. Für meine Einsatzstelle war es außerdem wichtig, dass man schon etwas Erfahrung mit sozialen Netzwerken hat.

Generell sollte man aufgeschlossen, motiviert und bereit sein, sich mit der Sprachbarriere zu konfrontieren. Durch die Arbeit im DFJW konnte ich meine Sprachkenntnisse sehr verbessern, da ich hier hauptsächlich Französisch spreche. Auch mit den deutschen Mitarbeitern habe ich von Vornherein ausgemacht, dass wir Französisch sprechen.

 

Wie haben Sie sich auf Ihren Einsatz vorbereitet?
Noch vor Beginn des Einsatzes hatten wir – 14 Deutsche und 14 Franzosen – ein Einführungsseminar in Deutschland. Außerdem gab es die Möglichkeit davor einen Sprachkurs zu belegen. Während des Einsatzjahres nehmen wir insgesamt an vier Seminaren teil. Hier gibt es verschiede Seminare wie zum Beispiel zu den Bereichen  Soziales oder Kultur.

 

Was war Ihr persönliches Highlight während Ihres Freiwilligendienstes?
Dass ich bei so vielen Veranstaltungen mithelfen konnte, zu denen Persönlichkeiten wie beispielsweise Politiker oder Künstler geladen waren, war sehr interessant. Der Neujahrsempfang des DFJW, bei dem es ein großes Benefizkonzert gab, war besonders schön. Ich habe bei den Vorbereitungen geholfen und konnte so zuhören, wie die Bands ihren Soundcheck gemacht haben. Das war eine einzigartige Erfahrung.

 

Inwiefern hat Ihr Freiwilligendienst Ihre Zukunftspläne beeinflusst?
Ich habe mich jetzt, wie ich es mir vorgenommen hatte, bei der Deutsch-Französischen Hochschule beworben – für einen Doppelbachelor in Politikwissenschaften zwischen der Sciences Po in Nancy und der Freien Universität Berlin. Ich denke, dass der Deutsch-Französische Freiwilligendienst mir sehr viel für die Zukunft geholfen hat und bin froh, dass ich mich dafür entschieden habe.

 

Was können Sie der nächsten Freiwilligen-Generation empfehlen?
Sich einfach darauf einzulassen und nicht mit zu hohen Erwartungen daranzugehen. Es gibt immer wieder Aufs und Abs, zum Beispiel was die Sprache oder die kulturellen Unterschiede betrifft. Es ist natürlich schwierig in ein komplett neues Umfeld zu kommen, weit weg von seinen Freunden. Aber letztendlich muss man einfach aufgeschlossen sein, auf die Leute zugehen und ich bin sehr froh, dass ich internationale Kontakte knüpfen konnte und jetzt eine kleine Heimat in Frankreich habe, in die ich wieder zurückgehen kann.

Noch bis zum 30. April 2017 kann man sich beim Deutsch-Französischen Jugendwerk für einen Deutsch-Französischen Freiwilligendienst bewerben. Mehr Informationen gibt es hier (auf Deutsch) und hier (auf Französisch).


Das Deutsch-Französische Jugendwerk sucht außerdem aktuell noch Kandidaten für den Schulfreiwilligendienst. Hier geht es zur Bewerbung für einen Einsatz in Deutschland und in Frankreich.

Par Redaktion ParisBerlin le 24 avril 2017