Von Christina Heuschen

 

 

 

Filme, Rezensionen und Preisverleihungen – das sind nur drei Dinge, die in den nächsten Wochen Berlin beherrschen. Denn heute beginnt die Berlinale. Und die Brüder Joel und Ethan Coen machen den Anfang. Sie eröffnen die 66. Internationalen Filmfestspiele Berlin mit ihrem neuen Film « Hail, Caesar! ».

Vom 11. bis zum 21. Februar werden 434 Filme in den verschiedenen Sektionen des Festivals gezeigt, 18 Filme konkurrieren im Wettbewerb um die Bären. Neben der Jurypräsidentin Meryl Streep bewerten auch der deutsche Schauspieler Lars Eidinger und die französische Fotografin Brigitte Lacombe die Beiträge.


Viele französische Beiträge

Unter den Filmen der Berlinale sind in diesem Jahr besonders viele französische Filme vertreten. « Wir haben das Gefühl, dass Frankreich seine Filme wirklich am Puls der Zeit macht. Die Geschichten werden mit einer wunderbaren Leichtigkeit erzählt und sind doch Spiegelungen der eher harten Realität », sagt der Festivaldirektor Dieter Kosslick.

So ist der französische Wettbewerbsfilm « L’Avenir » von Mia Hansen-Løve ein Frauenporträt, das den Beginn des Alterns nachzeichnet. Die Regisseurin zeigt darin Selbstbilder einer Beziehung, die ins Wanken kommen, und die Suche nach neuen Lebensmodellen. Es geht um Fragen des Glücks, des Sinns oder Unsinns gefestigter Strukturen. In « Theo et Hugo dans le même bateau » treffen die gleichnamigen Protagonisten in einem Sex-Club aufeinander. Gemeinsam lassen sie sich durch die leergefegten Straßen im nächtlichen Paris treiben. Unvermittelt werden sie jedoch mit einer Realität konfrontiert, die ihre Freiheit und Ziellosigkeit aushebelt. Wieland Speck, Kurator der Berlinale-Sektion Panorama, beschreibt den Film von Olivier Ducastel und Jacques Martineau als eine Hommage an Jacques Rivettes « Céline et Julie vont en bateau » (1974).

Rund 150 deutsche Filme sowie weitere Co-Produktionen sind bei der Berlinale mit dabei. Darunter ist unter anderem der Wettbewerbsbeitrag, « 24 Wochen » von Anne Zohra Berrached. Die Absolventin der Ludwigsburger Filmakademie zeigt darin, wie ein Paar damit umgeht, dass sein Baby möglicherweise nicht gesund zur Welt kommen wird. Jochen Hick portraitiert in « Der Ost-Komplex » Mario Röllig, der 1987 in Ungarn wegen versuchter Republikflucht festgenommen und 1988 von der BRD freigekauft wurde. Der Regisseur begleitet den Zeitzeugen zu den Stationen seiner Flucht und Inhaftierungen, um den Kampf um die Deutungshoheit über die Geschichte der DDR nachzuzeichnen.

Über die Suche nach Glück

Doch nicht nur Hick greift eine Fluchtgeschichte und gesellschaftliche Reaktionen darauf auf. In diesem Jahr spiegeln viele Filme insbesondere das Thema Flucht und Migration in verschiedenen Facetten wieder. « Die Menschen haben nicht nur die Sprache verloren, die Beziehungen verloren, sondern das Schlimmste, was einem passieren kann. Sie haben ihre Heimat verloren », sagt Dieter Kosslick. So auch der Italiener Gianfranco Rosi. Für seinen Wettbewerbsbeitrag « Fuocoammare » filmte er über mehrere Jahre auf Lampedusa. Dabei stellt er das Leben heimatloser Geflüchteter und einem heimatliebenden jungen Italiener nebeneinander.

Doch es werden nicht nur eurozentristische Perspektiven auf Flucht gezeigt. Neben Beiträgen über weltweiten Flüchtlingserfahrungen zeigen andere Filme auch, warum die Menschen eigentlich fliehen. Und vor allem zeigen sie, dass es eine Suche nach einer neuen Zukunft ist.

« Wir glauben, dass es weltweit ein großer Wunsch der Menschen ist, dass sie nicht nur das Recht auf Glück, sondern auch auf Heimat haben, auf Liebe, auf Selbstbestimmung, auf Arbeit, auf Leben. Und vor allen Dingen auf Überleben », fasst Dieter Kosslick das Motto der diesjährigen Berlinale zusammen. Und so zeigt die 66. Berlinale nicht nur im Filmprogramm, dass das Thema Flucht von Bedeutung ist. Von vergünstigten Tickets und Hospitanzen für Geflüchtete während der Berlinale über gemeinsames Kochen bis hin zur Spendensammlung: Das Festival möchte so Verständigung, Toleranz und Akzeptanz fördern.

Crédit photo couv : Friede Clausz
« Theo et Hugo dans le même bateau » Maxence Germain © Ecce Films
« Fuocoammare » © Berlinale
« L’Avenir »  © Berlinale

Par Redaktion ParisBerlin le 11 février 2016